Was kommt Ihnen in der folgenden, frei erfundenen Szene aus dem beruflichen Alltag bekannt vor?

Die ganze Welt spricht von Digitalisierung. Auch in Ihrem Unternehmen ist das Thema angekommen. Ihr Unternehmen muss digitaler werden, um auch in Zukunft erfolgreich bestehen zu können. Dessen ist sich die Unternehmensleitung sicher. Also wird das Projekt „Digitalisierung“ aufgesetzt. Die Unternehmensbereiche, die „digitalisiert“ werden müssen, sind schnell identifiziert. Nach einiger Recherche des Marktes für Softwarelösungen sind potenzielle Lösungen und Dienstleister identifiziert, die das Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen könnten. Kosten und Zeitaufwand sind ebenfalls grob bekannt und liegen im Bereich der finanziellen Möglichkeiten. Die Voraussetzungen sind geschaffen, das Projekt „Digitalisierung“ in Angriff zu nehmen.

Los geht’s: Das Projekt Digitalisierung

Starten soll das Projekt mit einer großen Kick-Off-Veranstaltung. In dieser sollen alle notwendigen Stakeholder und Vertreter der Unternehmensbereiche mit dem Projekt vertraut gemacht werden.

In der Kick-Off-Veranstaltung selbst wird das Projekt „Digitalisierung“ vorgestellt. Nachdem die Unternehmensleitung und der Projektverantwortliche die (Teil-)Projektleiter vorgestellt und organisatorische Rahmenbedingungen bekannt gegeben hat, wird der Projektplan mit den wesentlichen Meilensteinen an die Wand geworfen.

  1. Ausschreibung, Auswahl und Vergabe der bereichsbezogenen Lösungspakete (Software),
  2. Detaillierte Erstellung der Lasten- und Pflichtenhefte,
  3. Umsetzung der Pflichtenhefte durch die Dienstleister,
  4. Testphase,
  5. Go-Live und Rollout,
  6. Feinjustierung im Produktivbetrieb,
  7. Abschluss des Projekts zur gesetzten Deadline.

Ein neues Projekt: Freude oder Ablehnung?

Nach dem enthusiastischen Vortrag durch den Projektverantwortlichen können Sie und die Teilnehmer noch Fragen stellen und Anmerkungen äußern. Bei einigen Teilnehmern ist der Funke übergesprungen, es kommen gleich Vorschläge zu Umsetzung. Andere Teilnehmer sind zurückhaltender, skeptisch, ablehnend, ängstlich. Zum Beispiel hören Sie: „Noch ein Projekt mehr, dass gemacht werden muss“, „Wie sollen wir das auch noch stemmen?“, „Der Zeitplan ist nicht nur sportlich, sondern olympisch.“, „Wozu brauchen wir Digitalisierung? Bisher lief doch auch alles.“, „Welchen Vorteil haben wir davon?, „Und was wird danach aus meinem Job?“, „Wie soll ich das meinen Mitarbeitenden verkaufen?“, „Das ist doch der total falsche Ansatz“.

Für den Fall, dass der Funke vom Vortragenden auf die Zuhörer vollständig übergesprungen ist, können Sie sich glücklich schätzen. Das Projekt Digitalisierung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein voller Erfolg. Es wird im Kostenrahmen bleiben, zum angestrebten Termin abgeschlossen werden und die Basis für den weiteren Erfolg des Unternehmens sein.

Auch kritische und zweifelnde Stimmen sind noch kein Unglück. Denn immerhin werden die Fragen und Anmerkungen ausgesprochen und können vom Vortragenden gleich zufriedenstellend beantwortet oder entkräftet werden.

Es ist aber auch denkbar – und in vielen Unternehmen beobachtbar – dass keine oder nur wenige Fragen gestellt werden. Nach den Schlussworten des Vortragenden stehen alle auf und gehen schweigend auseinander. Und nachdem sie sich von der anstrengenden und langen Veranstaltung erholt und die vielen Informationen erstmal sacken ließen, werden die o. g. Fragen und Anmerkungen im Stillen oder im vertrauten Kollegenkreis gestellt.

Wie geht es Ihnen mit dem neuen Projekt?

In welcher potenziellen Stimmungslage würden Sie sich in diesem Szenario wahrscheinlich am ehesten wahrnehmen? Welche Gefühle würden überwiegen, welche Gefühlslagen würden einander entgegenstehen? Wären Sie in Ihrer Rolle als Führungskraft optimistisch, in Ihrer Rolle als Mitarbeiter eher skeptisch? Rechnen Sie als Führungskraft mit einem optimalen Verlauf des Projekts? Oder treibt Ihnen die Vorstellung davon, dass ein neues, zudem bereichsübergreifendes Projekt „Digitalisierung“ mit so vielen Beteiligten scheitern könnte, den Angstschweiß auf die Stirn? Spüren Sie also Unsicherheit darüber, ob das Projekt „Digitalisierung“ tatsächlich nur ein abgegrenztes Projekt ist, in dem das Unternehmen hard- und softwaretechnisch auf den aktuellen Stand gebracht werden soll?

Machen Sie sich schlau?

Eine gute Strategie, Unsicherheit zu bekämpfen, ist, sich schlau zu machen. Dieser Strategie folgend, beschäftigen Sie sich mit dem Thema Digitalisierung. Darüber gibt es zahlreiche Quellen. In relativ kurzer Zeit lesen und hören Sie im Internet, auf Veranstaltungen oder im Gespräch mit Kolleginnen und Geschäftspartner, allerhand Wissenswertes über Digitalisierung.

Digitalisierung als technologische Entwicklung schreitet immer schneller voran, und zwar exponentiell und immer schneller. Weil alles immer schneller voranschreitet, müssen auch die Unternehmen schneller werden, sprich: sich auf den Markt und die Kunden einstellen. Sie begegnen Wörtern wie Agilität oder SCRUM.

Sie haben auch Ihre Kunden im Blick. Diese werden immer anspruchsvoller. Sie können sich über Produkte und Dienstleistungen schnell informieren. Sie ändern ihre Moden und Vorlieben schneller und immer häufiger. Ihre Loyalität und Treue zu erhalten wird für Ihr Unternehmen immer schwieriger. Und die Konkurrenz schläft nicht: Amazon ersetzt den Einzelhandel, Uber ersetzt Taxis, Airbnb ersetzt Hotels, Sharing ersetzt Konsum. Kunden wissen genau, was sie wollen.

Gerade dieses Wissen verbreitet sich explosionsartig und ist überall abrufbar. Mit dem Wissen steigt die Komplexität unseres Arbeitslebens. Ständige Veränderungen im Kundenverhalten, aber auch im Verhalten und den Bedürfnissen von Mitarbeitenden wie auch von Ihnen selbst machen das Leben volatiler, unsicherer, Komplexer und vieldeutiger. Das Kunstwort VUCA-Welt begegnet Ihnen immer öfter.

Ihre Rolle als Unternehmer und/oder Führungskraft

Als Führungskraft sind hier besonders gefordert. Auch diese Bestätigung erhalten Sie kostenlos bei Ihrer Informationssuche. Kein Chef wird von sich noch behaupten können, alles zu wissen. Entscheidungen zu treffen wird immer schwieriger, weil sie unter mehr Zeitdruck stehen und geringer zeitlicher Tragweite versehen werden. Zudem fordern Mitarbeiter mehr Zuwendung, sinnvolle Aufgaben und fragen nach dem Sinn und Zweck ihres Tuns. Und nicht zuletzt will Ihr Unternehmen auch die richtigen Antworten auf die Fragen nach zukünftigen Produkten, Dienstleistungen und Innovationen finden.

Digitalisierung ist mehr als ein Projekt

Die Digitalisierung stellt unser gewohntes Berufs- und Arbeitsleben an vielen Stellen in Frage. Die Digitalisierung wird viele traditionelle Jobs kosten und bietet gleichzeitig die Aussicht auf neue, noch unbekannte Jobs. Home-Office wird für viele zunehmend selbstverständlicher. Videokonferenzen treten teilweise an die Stelle von Geschäftsreisen. Soziale Kontakte finden dadurch eine neue Qualität.

Zwischenmenschliche Kommunikation verändert sich andauernd. Verschiedene Kommunikationswege und -medien etablieren sich in den Generationen X, Y und Z auf unterschiedliche Weise. Mit den Generationen wandeln sich gesellschaftliche und individuelle Werte.

Mit dem Wertewandel ändert sich die Kultur unseres Zusammenlebens. Dieser Kulturwandel wirkt sich auf unser privates, soziales und berufliches Umfeld aus. Sie kommen zu dem Schluss: Digitalisierung ist Kulturwandel. Digitalisierung ist ein Prozess, der entgegen seinen üblichen Gepflogenheiten nicht nur zwischen 0 und 1 steht, sondern sich im Laufe der Zeit zwischen 0 und 1 verändert. Digitale Transformation geht somit einher mit einer kulturellen Transformation. Im Unternehmenskontext: Digitaler Wandel ist Unternehmenskulturwandel. Und da Kultur stets von Menschen geprägt und gestaltet wird, wird Unternehmenskultur durch veränderte Einstellungen, Haltungen, Erwartungen und Werte von Menschen begleitet. Nicht weniger als die Transformation des Mindsets von Menschen in Unternehmen findet statt.

Digitale Werkzeuge

Zu jedem Problem gibt es auch eine Lösung. Die Digitalisierung bietet zahlreiche Möglichkeiten, Daten immer schneller und intelligenter zu verarbeiten, Prozesse zu automatisieren und zu beschleunigen, Wissen zu erlangen, zu speichern und zu teilen, effizient, effektiv und weltumspannend zu kommunizieren. Ihr Unternehmen und Ihren Mitarbeitenden stehen tausende von Tools, Werkzeugen, Ratgeber und Berater zur Auswahl. Für dies gilt übergreifend: es ist der Mensch, der das Werkzeug bedient und verwendet, um die ihm gestellten Aufgaben zu meistern. Ein Computer rechnet nur Aufgaben, die der Mensch ihnen stellt. Kollaborationstools verbessern die Zusammenarbeit nur, wenn man sie gemeinsam nutzt. Kommunikationsmedien nutzen nur, wenn die Inhalte zielgerichtet sind und dafür sorgen, dass der Empfänger das versteht, was der Sender meint.

Veränderung ist immer ein zeitaufwändiger Prozess

Digitalisierung hat die Welt verändert und wird sie weiter verändern. Diese geschah und geschieht schleichend, die Auswirkungen werden durch den Vergleich eher längerer als kürzerer Zeiträume sichtbar und deutlich. Smartphones, Apps und E-Commerce sind nicht über Nacht entstanden. Die Welt war noch nie vom heutigen auf den morgigen Tag vollständig anders.

Menschen und Mindsets verändern sich ebenfalls. Veränderungen sind alltäglich. Es braucht jedoch Zeit, sich an neue Rahmen- und Marktbedingungen anzupassen. Wie der oder die Einzelne mit Veränderungen umgeht,  ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. In Unternehmen kommen diese unterschiedlichen Menschen zusammen. Hier gilt es, Veränderungen der Menschen mit Veränderungen des Marktes und der Technologie hinsichtlich Geschwindigkeit und Reaktionsfähigkeit zusammen zu bringen.

Faktor Mensch in der Digitalisierung

Der Mensch ist ein und bleibt ein analoges Wesen. Er denkt und fühlt Veränderungen linear, in kleinen und überschaubaren Schritten. Technologisch schreitet die Digitalisierung exponentiell voran. Was durch Digitalisierung alles möglich wurde und weiterhin möglich sein wird, lässt einen leicht schwindelig werden. Gedacht ist zwar meist schneller als gemacht. Aber gemacht werden soll es dennoch. Dazu braucht es Innovationen und Ideen, Mut und Motivation, Zutrauen und Zuversicht, Vernunft und Vertrauen, Kooperation statt Kompetition. Über diese Potenziale verfügt nur der Mensch. Der Mensch hat die Digitalisierung erfunden und entwickelt sie weiter, um Menschen bessere Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können. Dafür braucht es aber auch den Menschen. Den Menschen in Ihrem Unternehmen, mit seinem Wissen, seinen Ideen, seiner Motivation, seiner Kultur.

Wo stehen Sie in diesem spannenden und umwälzenden Veränderungsprozess?